Informatiker in allen Branchen gesucht

Die Wirtschaft meldet 43.000 offene Stellen. Eine Spezialisierung ist gefragt.

Generation 4.0, Roboter die uns den Alltag erleichtern, selbst fahrende Autos, vollautomatisierte Industrieanlagen, Finanzdienstleistungen per mobiler App, Logistik-Planung mit künstlicher Intelligenz: Viele Produkte und Dienstleistungen schienen noch vor zehn Jahren nicht umsetzbar zu sein. Dank  der Arbeit von Informatikern können wir enorme Entwicklungssprünge verzeichnen.
In Millionen Arbeitsstunden wurden  Software, die zur Grundlage der modernen Technologie-Gesellschaft geworden ist, permanent weiter entwickelt. Ohne Informatiker kommt keine Branche mehr aus.  Doch wie müssen diese Informatik-Experten ausgebildet sein, damit sie die lukrativen Stellen im Arbeitsmarkt der Zukunft ausfüllen können?

Keine andere Wissensdisziplin verändert sich aktuell so schnell wie die der Informatik:  Lehrpläne müssen ständig angepasst und erneuert werden. 

Der Informatiker als eine Art Universal-Wissenschaftler der IT-Branche hat seine Gültigkeit nur noch für das Bachelor-Studium. Spätestens im Master-Studium müssen sich die Absolventen für eine Spezialisierung entscheiden . Der Gesamtkomplex der Informatik ist zu komplex: „Es kann nicht mehr jeder alles lernen.“ (Kommentar von Olaf Zukunft, Informatikprofessor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg).

Zukunft und diverse Kollegen haben in den vergangenen zwei Jahren für die deutsche Gesellschaft für Informatik die „Empfehlungen zum Informatikstudium“ überarbeitet, nach denen die deutschen Informatikfakultäten ihre Lehrpläne ausrichten. Im Juni 2016 hat die Gesellschaft ihre Empfehlungen grundlegend erneuert herausgebracht – zuletzt war das 2005 geschehen.

2015 starteten 36.000 Studienanfänger, so viele wie noch nie zuvor, an deutschen Hochschulen ins Informatik-Studium. Die steigende Nachfrage nach IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt sorgt für extrem gute Berufsaussichten, allerdings fordert das Grundstudium reichlich theoretischem Grundlagen-Stoff und viel Mathematik ein.

Die Abbrecherquote ist hoch. Bis zu 50 Prozent der Studienanfänger brechen ihr Studium ab.

Mehr Praxisorientierung im Grundstudium wird eingefordert. Bereits in den ersten zwei Semestern sollten die Studenten ein eigenes Programmier-Projekt betreuen. „Mit einem direkten Praxisbezug lassen sich viele Studenten auch nachhaltig für die Sache begeistern.“

Ausserdem sollen die Studenten laut dem neuen Plan Lektionen über ethisches Handeln bekommen – und dafür sensibilisiert werden, wie ihre Arbeit missbraucht werden kann, um etwa die Privatsphäre der Nutzer zu brechen. Vor allem aber sollen die Universitäten ihren Studenten nach dem Grundstudium mehr Möglichkeiten bieten, sich schon früh auf einen Bereich der Informatik zu spezialisieren. So sollen die Studenten bereits bei der Wahl der Hochschule festlegen können, in welcher Fachrichtungen sie später arbeiten wollen. „Da man jedoch zum Studienstart noch nicht unbedingt weiß, worauf man sich später im Studium spezialisieren möchte, sollen die Studenten nach dem Bachelor leicht die Hochschule wechseln können“, sagt Zukunft. Der Basiskanon im Grundstudium wurde deswegen stärker vereinheitlicht. Im Hauptstudium soll dagegen mehr Platz für individuelle Spezialisierung sein:

Jede Hochschule braucht und arbeitet mit eigenen Profilen, wie zum Beispiel der „Künstlichen Intelligenz“. Diese verändert fast jede Disziplin der Informatik – dank der selbst lernenden Algorithmen können Autos, sich mittlerweile im Straßenverkehr selbst zurecht zu finden. Fabriken optimieren ihre Wartung selber, und Computer geben inzwischen auch Empfehlungen im hochsensiblen Aktienhandel oder bei der Optimierung von Logistik-Lieferwegen. Die Informatik ist aus den Fachdisziplinen Mathematik und Elektrotechnik als eigene Fachrichtung hervorgegangen – spannende Entwicklungen haben wir im Bereich der künstliche Intelligenz zu erwarten